3336 Kilometer Zugfahrt

Von Chabarowsk nach Irkutsk, 14. April, 10.45 Uhr – 16. April, 17.30 Uhr, 2009. Zweieinhalb Tage im Zug, drei Zeitzonen auf dem russischen Globus. Ich habe aus 342 Fotos 62 Bilder ausgewählt, von denen ich noch einmal die Hälfte aussortiere. Wieviel Foto verträgt dieser Eintrag? Es bleiben übrig: die Landschaft da draußen, drei Blicke durchs Glas.

I
Chabarowsk – das Jüdische autonome Gebiet um Birobidjan – Skovorodino

Der Zug taucht sofort nach Verlassen der Hauptstadt des Fernen Ostens unter der Sonne hindurch, es beginnt zu schneien. Bis zum Ende des Tages. Bis wir uns sinnlos teuer im Zugrestaurant Essen bestellen. Bis wir einschlafen und sich der Waggon vollständig geleert hat. Bis zum nächsten Morgen.

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II
Mogocha – Region Chita

Eigentlich beschäftige ich mich nicht mit Fotografie. Plötzlich habe ich 3 Apparate zur Verfügung (zwei haben wir sowieso, einen habe ich noch in Vladivostok gekauft). Plötzlich erscheint jeder Blick aus dem Fenster erhaltenswert, museal wertvoll. Unendliche Landschaft, gelb und grau, kalt und leer. Der Norden Asiens ist das absolute Gegenbild zum warmen, vielbevölkerten Süden. Hier muss man stundenlang in die Grasweiten schauen – nirgendwo eine Siedlung. Hin und wieder ein einsamer Streckenposten. Eine Meditation. Der langsame Wandel der Landschaft. Fotos, vom Fensterschmutz getrübt. Manchmal brennt die Weite da draußen.

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III
Ulan-Ude – Baikal – Irkutsk

Und dann, nach mongolischer Steppe, der Selenga, dann ist er da: der See. Gefroren, blendend, ungeheuer. Die Fahrt um das Südende dauert 3 Stunden. Die Zugbegleiterin lächelt über meine Ungeduld. Sie putzt den Waggon. Täglich, um die Mittagszeit. Ihre Kollegin schläft, sie ist nachts zuständig. Ein junger Holländer glaubt, nicht nur zum putzen. Ich schaue aus dem Fenster. Nach dem See beginnt die Unruhe: Das Zuhause nähert sich. 55 Stunden sind keine Zeit.

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