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Das Wetter/Ulica

Ein Hochlicht

Posted by Sascha Preiß on

Seit dem letzten Eintrag in diesem Blog ist eine ganze Menge Zeit vergangen. Wer sich seither gefragt hat,  was alles geschehen ist, wird in Kürze einige Berichte finden, u.a. waren wir in Deutschland und sind seit wenigen Tagen wieder zurück in Irkutsk.

Viel Zeit ist auch seit der letzten Auflösung von Modern Talking vergangen, und wer sich gefragt hat, was denn nun eigentlich so der Thomas Anders macht, dann sei er morgen nach Irkutsk eingeladen, wo der in Russland für sein neuestes Album mit Platin geadelte „legendäre Musikant“ (Komsomolskaja Prawda) ein einzigartiges Konzert mit grandioser Show geben wird. Ursprünglich für den 24. Juli vorgesehen, erlebt Thomas‘ Karriere nun doch noch ein weiteres Highlight direkt vor meiner Nase, im wunderschönen „Stadion der Arbeit“.

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Für seinen weiteren Lebensweg wünschen wir alles Gute.

Anti-Terror/Baikal/Das Wetter/Irkutsk/Ulica

Zwischenstand

Posted by Sascha Preiß on

Was seither geschah:

Das Jahr 2010 hält Irkutsk mit ungewohnt langem, strengem Frost gefangen, weshalb schon einmal Warmwasserleitungen unter der Straße platzen oder sich Autos entzünden. Aufgrund der starken Schneefälle gibt es bereits Befürchtungen starker Frühjahrshochwasser und die Aufforderung, bis zum 1. März die Dächer von Schnee und Eis befreit zu haben. Trotz eigener Schwierigkeiten hat sich aber der Irkutsker Oblast an der humanitären Hilfe für die vom Winter hart getroffene Mongolei beteiligt.

Die Sehnsucht nach wärmeren Temperaturen scheint für viele ein Grund zu sein, auch dem politischen Klima etwas  Feuer zu machen. Manche sind deutlich sichtbar politisch aktiv geworden und werden die für den 14. März angesetzten Bürgermeisterwahlen kritisch zu begleiten wissen und weiterhin für die Stillegung des Zellulosekraftwerks Baikalsk demonstrieren.

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Apropos Feuer: Anfang Februar ist ein Teil des Schelechower Aluminiumwerks durch eine Brandexplosion zerstört worden, wobei drei Arbeiter getötet und eine unbekannte Zahl Arbeiter verletzt wurden. Aufgrund der Rauchentwicklung waren die Einwohner Schelechows und des Dorfes Olcha aufgefordert, sicherheitshalber in ihren luftdicht abgeschlossenen Wohnungen zu bleiben. Die dunkelgrüne, aluminiumoxid-haltige Rauchsäule zog gen Süden ab. Als Brandursache wird ein Kurzschluss vermutet.

Deutlich klarer scheinen die Ursachen der Brände im geplanten Museumsviertel an der Straße des 3. Juli in Irkutsk. Eine ganze Reihe von bewohnten alten Holzhäusern der Straßen des 3. Juli und Sedova sind in kurzem Abstand ausgebrannt. Die Feuerwehr vermutet einen Pyromanen am Werk, manch einer munkelt aber eher Brandstiftung, um die Häuser für die Sanierung als sibirisches Vorzeigeviertel vorzubereiten.

Ansonsten sind die Olympioniken des Irkutsker Oblastes, wie die Mehrheit der russischen Sportler, in Vancouver nicht ganz so erfolgreich wie erhofft. Trotz vorderer Platzierungen ist erst ein Edelmetall nach Irkutsk gekommen. Aber das war spektakulär: Erstmals in der olympischen Geschichte gewannen mit Aleksander Subkov  und Alexej Voevoda zwei russische Sportler im Zweierbob die Bronzemedaille.

Dafür sind die Renten auf 1862 Rubel erhöht worden, das sind nun monatlich 46 Euro.

Und manchmal kommt es vor, dass die Erde auch in Irkutsk deutlich spürbar bebt.

Architektur/Das Wetter/Irkutsk/Ulica

Kristallenes Märchen

Posted by Sascha Preiß on

Während in Deutschland berühmte Märkte aufgebaut werden, um Winter, Weihnachtsfest und Jahreswechsel einzuläuten, baut man in Sibirien nicht minder legendäre Eisstädte. Seit dem 4.12. können sich Familien in Irkutsk für 100 Rubel in der Eisstadt „Kristallenes Märchen“ vergnügen, ein vor allem für Kinder attraktiv gestalteter Winterpark. Es gibt Eisrutschen, Eisfiguren, kostenlos Tee und vor den Toren der Stadt Pferdekutschen.

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Die detailreich gearbeitete Eisstadt ist das diesjährige Wintermotiv im gesamten Irkutsker Oblast. Auch in Listwjanka am Baikal wird ein „Kristallenes Märchen“ errichtet, deren Figuren im Februar 2010 am jählichen Eiskünstlerwettbewerb „Kristallene Robbe“ teilnehmen werden, diesmal unter dem Motto „Das Kollier des Baikals“.

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Im Irkutsker Oblast ist der diesjährige Winter bislang besonders kalt, der momentane Temperaturrekord von -52° ist vor einer Woche im Norden des Gebietes gemessen worden. Zudem ist es ungewöhnlich feucht in der Luft, weshalb die Stadt wie von Zuckerguss glänzt.

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Die Kindergärten haben sich ebenfalls festlich geschmückt, wenn auch nicht ganz so leuchtend. Krokodile, Schneemänner, selbstgebastelte Vogelhäuschen und Weihnachtsbäume können trotzdem überzeugen.

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Das Wetter/Ulica/Wildbahn

Tierlieb

Posted by Sascha Preiß on

Unter Einfluss strenger, anhaltender Kälte offenbart sich bei der sibirischen Bevölkerung die innige Beziehung zu Tieren. Das Halten von Haustieren ist sowieso verbreitet, das Halten von Straßentieren genießt allerdings ebenso hohes Ansehen. Schulkinder lernen schon frühzeitig das Anfertigen bunt bemalter Vogelhäuschen aus Schuhkartons, die rings um das Schulgebäude in die beschneiten Sträucher gehängt sind. Und Küchenabfälle in größeren Mengen auf den Abdeckungen von Wasserleitungen im Boden sind kein Auszeichen mangelnden Hygieneempfindens – man stellt Nahrungsmittel für die in der Stadtwildnis lebenden Tiere bereit. Weshalb immer wieder größere Tieransammlungen auf diesen Gullideckeln zu beobachten sind, welche zudem noch von unten Wärme spenden. Gelegentlich mögen diese Speisegeschenke bizarr anmuten, sie sind doch immer Ausdruck tief empfundener Tierliebe.

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Das Wetter/Russland

Russland heute, die Sowjetunion erinnernd

Posted by Sascha Preiß on

Nach der Zwischenfrage noch eine minimale Auswahl deutschsprachiger Informationen zum gegenwärtigen Stand der Dinge im größten Land der Welt.

Wahlen ohne Auswahl – stellvertretend für den sehr lesenswerten Russland-Blog der Heinrich-Böll-Stiftung

Chodorkowskij erwartet Lebenslänglich – аеродром.ная / tazblogs dokumentiert ein Focus-Interview u.a.

Verbotene Kunst in Moskau ist aber noch im Internet zu besichtigen

Für ausführlichere Zustandsbeschreibungen fragen Sie natürlich den Buchhändler Ihres Vertrauens.

„Und schließlich die dritte Umbruch-Zeit unter Putin. Vor dem Hintergrund einer neuen Phase des russischen Kapitalismus mit unübersehbar postsowjetischem Anstrich. Eines ökonomischen Modells, das der Herrschaftszeit des zweiten Präsidenten Russlands ganz und gar entspricht und gekennzeichnet ist durch einen eklektischen Mix aus Markt und Dogma, eine Vermischung von allem mit allem. Wo es beträchtliche Mengen an disponiblem Kapital gibt und ebenso viel typisch sowjetische Ideologie, die diesem Kapital Vorschub leistet, sowie noch mehr Verarmte und Mittellose. Außerdem erlebte die alte Führungskaste der Nomenklatura einen neuen Aufschwung. Diese breite Schicht sowjetischer Staatsfunktionäre, die wieder in ihre Funktion eingesetzt wurde und sich an die neuen ökonomischen Bedingungen sehr schnell und nur allzu gern anpasste. Die Nomenklatura will jetzt genauso üppig leben wie die „neuen Russen“, und das bei verschwindend geringen offiziellen Gehältern; sie will um keinen Preis der Welt die neue Ordnung gegen die alte sowjetische eintauschen, doch so ganz geheuer ist ihr diese neue Ordnung mit ihrem – von der Gesellschaft immer nachdrücklicher eingeklagten – Streben nach Recht und Ordnung nun auch wieder nicht, also verwendet sie einen Großteil ihrer Zeit darauf, sich unter Umgehung von Recht und Ordnung persönlich zu bereichern. Mit dem Ergebnis, dass die Korruption unter Putin ein beispielloses Ausmaß erreichte, von der neuen, alten Putin’schen Nomenklatura zu einer Blüte geführt, wie sie weder zur Zeit der Kommunisten noch unter Jelzin denkbar war. Diese Korruption verschlingt das kleine und mittlere Unternehmertum, also den Mittelstand, lässt nur das große und supergroße Kapital überleben, Monopole und staatsnahe Unternehmen, denn in Russland sind gerade sie es, die nicht nur für ihre Eigentümer und Manager hohe, stabile Gewinne abwerfen, sondern auch für die jeweiligen Protektoren in den staatlichen Verwaltungsstrukturen, ohne die bei uns kein einziges Großunternehmen existieren kann. In diesem Sumpf, der nichts mit Marktwirtschaft zu tun hat, kann die neue russische Parteinomenklatura (wie sie wieder wie in alten Sowjetzeiten genannt wird) ihre Sehnsucht nach der UdSSR, nach ihren Mythen und Phantomen ausleben. Putin versammelt recht gern „Ehemalige“ – Leute aus den sowjetischen Führungsstäben – unter seinen Fahnen, da nimmt es nicht Wunder, dass der ideologische Überbau des Putin’schen Kapitalismus immer stärker Züge der späten Breshnew-Zeit annimmt, die Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre von extremster wirtschaftlicher Stagnation gekennzeichnet war.“

Quelle: perlentaucher