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Das Leuchten

Posted by Sascha Preiß on

Männer müssten unterwegs sein, sagt Edik. Ein Haus zu haben sei gut, Familie zu haben sei gut, und eine Frau könnte damit ganz zufrieden sein. Männer jedoch brauchten eine Herausforderung, sagt er. Du solltest dir die Kämpfer in der Ostukraine als glückliche Menschen vorstellen, egal auf welcher Seite. Die Bilder im Internet zeigen es, das Leuchten in ihren Augen. Die Freude der Männer. Dass etwas passiert. Dass sie eine Aufgabe haben. Dass sie nützlich sind. Gebraucht werden, nach Jahren des Niedergangs. Dass ihre Energie Verwendung findet, mit edlen Motiven. Haus und Familie zu verteidigen, dagegen lässt sich schwer was einwenden. Dieses Leuchten in den Augen der Männer sei einzigartig, wie bei Löwen, die um die Braut streiten. Ein Glück, wie beim Gesang der Sirenen, von dem man sich kaum befreien kann. Diese Männer ziehen von Freude zu Freude, von Krieg zu Krieg. Wie William James in The Hurt Locker. Ein glücklicher Mensch, überall glückliche Männer.

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Theaterworkshop

Posted by Sascha Preiß on

In den vergangenen fünf Tagen waren Lili und ich in Bolshoe Goloustnoe im Rahmen des Festivals „Алые паруса – Leuchtend rote Segel“, ein sehr tolles Treffen von irkutsker Amateurtheatergruppen. Dort hatte ich schon im letzten Jahr einen Workshop zu Improvisationstheater gemacht, dieses Jahr also wieder (und sehr gerne auch in Zukunft). Diesmal tauchte mittendrin ein Fernsehteam auf und interviewte mich zwei Minuten. In ihrem Bericht rede ich „mit starkem Akzent zu den Sibiriern“, allerdings bin ich auch ein „professioneller Theaterregisseur“. Wenn das keine Freude ist, weiß ich auch nicht.

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minimal story 15

Posted by Sascha Preiß on

Die alte Dame mit dem Kopftuch schaut etwas verwirrt unter den Bäumen am Straßenrand drein. „Haben Sie zwei Kinder gesehen, in Schulkleidung?“ Gestern war Tag des Wissens, der offizielle Schulbeginn in Russland. Es scheint, als vermisst sie die Kinder sehr. „Zwei Jungs, Burjaten wohl, jedenfalls nicht russisch. Die haben mit Steinen mein Fenster eingeworfen.“ Sie droht mit einer Faust und schaut in alle Richtungen. „Haben Sie die nicht gesehen? Das waren so nicht-russische Kinder, Russen machen das nicht.“ Sie schaut noch einmal in alle Richtungen der leeren Straße, dann geht sie davon.