minimal story 19

Aus einigen Meter Entfernung beobachten die Filialleiterin und ihre Stellvertreterin die neue junge Kassiererin bei der Arbeit. Offenbar sind sie zufrieden mit ihrer betont sachlichen Kundenabfertigung nach vorgegebenem Schema. Plötzlich aber wird die Chefin hektisch, eilt zum Kassenbereich: Ein Obdachloser hat den Supermarkt betreten, die Kleidung schmutzig, das Gesicht dunkel und fleckig, schlurft er gekrümmt an den Regalen vorbei. He, was…… ruft die Chefin und starrt mit ihren Angestellten dem Gespenst hinterher. In sicherem Abstand folgt sie ihm, bereit sofort laut zu werden, sollte es die gute Ware berühren. Ein zweiter Bomsch erscheint im Eingang, klein, dunkel, tonlos. Die junge Kassiererin kichert ihn betrachtend. Der erste beendet seine Runde durch den Raum und hält auf ihre Kasse zu, an der Stellvertreterin vorbei, die einige Schritte beiseite gegangen ist. Irgendetwas murmelnd stellt er sich vor die blonde Frau, die auf ihrer Seite des Förderbandes den Atem angehalten hat, betrachtet das Schild, auf dem der Name Nadeshda steht, schaut ihr in die erschrockenen Augen, blickt noch einmal auf das Namensschild, murmelt etwas, läuft weiter zu seinem Kumpel. Und jetzt gehen Sie aber, ruft die Filialleiterin den beiden Gestalten nach, hinter ihnen schließt sich die automatische Tür. Die Kassiererin sucht einen Kaugummi gegen den Schluckauf, die Chefin wirft dem schläfrigen Wachmann einen strafenden Blick zu, dann ist auch die Luft wieder rein.

Kommentar verfassen