Die Sache mit dem Eis

Hin und wieder muss ich dann auch mal Lebensmittel einkaufen gehen. Vorgestern z.B. war so ein Tag, und gestern auch. Mit dem Kindergarten ist vereinbart, dass die Eltern einmal im Monat für die Verpflegung der lieben Kleinen aufkommen, heute morgen war ich mit der Pitanje an der Reihe, also bin ich spät abends noch in den nahen, fast rund um die Uhr geöffneten Supermarkt. Als jahrelanger Kunde erlebt man da so einiges. Die Belegschaft kommt und geht, manche Kassiererin grüßt mich bereits, manche ehedem Grüßende hat die Kassiererei für einen besseren Job aufgegeben, und manchmal vergesse ich auch mein Geld zu Hause, so dass die an der Kasse auf meinen Sachen sitzen bleiben. Meist ist aber alles ganz gewöhnlich. Gestern benötigte ich laut Einkaufsliste des Kindergartens mehrere Liter Milch, verschiedene Brote, Butter, reichlich Obst und anderthalb Kilo Quark. Für den eigenen Kühlschrank habe ich dann noch ein paar Eis in den Korb gelegt, bei den hohen Raumtemperaturen hat man regelmäßig Appetit auf eine Abkühlung. Gerade eben bin ich aber doch noch einmal losgezogen, weil neben dem Eis von gestern irgendetwas anderes zu Hause notwendig wurde. Der diensthabende Wachmann begrüßte mich sogleich freundlich, fast wollte ich ihn umarmen und ihn zu einem Wodka einladen. Er aber fragte nur, ob ich nicht von gestern ein Eis vermissen würde. Aber ja, erinnerte ich mich augenblicklich, von den vier in den Korb gelegten waren daheim nur noch drei in den Tüten auffindbar. Da reichte der freundliche Mann das verloren gegangene Stück und ich bedankte mich, ehrlich glücklich. Die Kassiererin, bei der ich bislang grußlos gezahlt hatte, schaute mich skeptisch an, weil ich das Eis unbezahlt in die Tüte steckte. Der Wachmann habe es mir gegeben, verteidigte ich mich, ohne angegriffen worden zu sein. Ich würde ziemlich regelmäßig hier etwas liegen lassen, klang sie doch ein wenig nach Vorwurf. Neinnein, das sei bestimmt das erste Mal gewesen, sagte ich und gab ihr meine Rabattkarte. Soso, aha, zog sie das Ding durchs Lesegerät, augenblicklich schrumpfte der Betrag. Schweigend zahlte ich und grußlos schieden wir voneinander. Vielleicht, dass ich unverdient ein Geschenk erhalten hatte. Doch tatsächlich halte ich mich nicht der Demenz verdächtig. Tüte, Eis und Portemonnaie habe ich auf jeden Fall eben noch in der Wohnung gesehen.

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