Ein weiteres Hochlicht

Vor einem Jahr, ganz unerwartet, tauchte bzw trat in Irkutsk ein gewisser Thomas Anders auf, um mal wieder etwas von sich hören zu lassen. Ziemlich genau das Gleiche wird sich dieses Jahr im Oktober wiederholen. Angekündigt auf seiner Website (Meldung 22 vom 23.August) und mit einem einnehmenden, vorfreudigen Lächeln auf dem Plakat wird das Konzert als Best-Of-Show mit den unvermeidlichen „größten Hits der letzten 25 Jahre“ – und damit sind reichlich Lieder aus den Zeiten des Zeitgenössischen Gesprächs (Современный разговор bzw Modern Talking) inklusive.

Wie zeitgenössisch dieses Gespräch in Deutschland inzwischen geworden ist, verrät uns, die wir uns jederzeit brennend dafür interessieren, Spiegel Online mit einer Rezension zu Anders‘ demnächst erscheinender Autobiografie 100 Prozent Anders. Überraschenderweise ist es ein Ex-Kollege-Beschimpfungswälzer, wie es der Ex-Kollege vor Jahren auch schon konnte. Meine Neugier hält sich nun in Grenzen zu erfahren, ob man sich nach dem Irkutsker Konzert ins Russische übersetzte Exemplare vom Meistersänger wird signieren lassen können oder ob das russische Publikum, dessen allgemeiner Musikgeschmack eher zur Nostalgie neigt, irgendetwas von den Dieter-Thomas-Quärelen erfahren möchte und nicht lieber andächtig den alten Hits in neuer Showchoreografie beiwohnen möchte. Schließlich sind die beiden Gesprächigen der berühmteste und beständigste deutsche Musikexportschlager im russischen Riesenreich. Allein die Feierlichkeiten zum gestrigen Irkutsker Stadtjubiläum wurden mit einer You’re my heart, you’re my soul-Eurodanceversion eingeläutet. Bei so viel Ehre muss der Meister dann eben auch ab und an persönlich den Glanz guter alter Zeiten versprühen. Und es ist unbedingt davon auszugehen, dass dies nicht das letzte Mal gewesen sein wird.

Auf dass auch die nächsten 350 Jahre Irkutsk Anders leuchten mögen!

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