Frauentag

Es hat Blumen gegeben, bunt und reichlich. Dazu überschwenglich glitzernde Glückwunschkarten. Und prunkvolle Pralinenkästen. Gabs überall zu kaufen und war heute der geehrten Dame zu überbringen. Glückwunschtage sind Festtage. Warum dieser Tag, weiß wohl kaum noch wer. Erhalten hat sich in Irkutsk eine Clara-Zetkin-Straße, erhalten haben sich in Russland viele alte Heldennamen. Wer das mal war, irrelevant. Wichtig ist: achter März ist arbeitssfrei, da kauft Mann Blumen für die Frau. Was soll man sonst tun als Mann für seine Frau.

Am fünften März steht meine zukünftig schwangere Mitarbeiterin im Zimmer und leuchtet etwas, als sie von Plänen spricht, ein halbes Jahr Fortbildungsstipendium in Deutschland, dann Arbeit als Lehrerin, Dozentin, berufliche Perspektive. Sie wird ruhiger. Ihr Mann verbietet ihr das Stipendium, sie soll sich ums Kind kümmern, das sei halt normal.

Der junge Mann beugt sich im Bus über die sitzende Frau und versucht sie zu küssen. Sie ignoriert ihn, seine Versuche, zornig. Er zupft ihr in den Haaren, sie verscheucht seine Hand. Er redet auf sie ein, angetrunken, spricht von seinen Gefühlen für sie. Sie schaut angestrengt aus dem Fenster. Er küsst sie immer wieder ins Gesicht. Sie will in Ruhe gelassen werden, windet sich unter ihm. Er achtet gar nicht darauf, drückt sie erneut an sich.

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